Mittwoch, 15. Januar 2014

Sie ist wieder da

Zurück in Glasgow. Der Flug war ziemlich angenehm und gleich als ich zurück war wurde eine meiner Ansichten, die ich während der Ferien geäußert hatte, bestätigt: Die Schotten sind ein freundliches Völkchen. Woran habe ich das gesehen? An der herzlichen Höflichkeit, die mir der Busfahrer am Flughafen entgegenbrachte. Es war nicht die herablassende "Ich weiß ja was, was du nicht weißt und das ist, dass ne gute Chance besteht, dass alle deine Sachen gestohlen werden und sich niemand drum schert"-Attitüde, die Costa ricanische Busfahrer an den Tag legen, wenn sie dein spärliches Gepäck in den ohnehin schon überladenen Bauch eines Busses verfrachten, der in Deutschland schon vor zehn Jahren nicht mehr durch den TÜV gekommen wäre. Es war auch nicht die gelangweilte und bisweilen fast anklagende Gleichgültigkeit eines deutschen Busfahrers, der dich fast glauben machen kann du fügest ihm persönlich Harm zu indem du seinen Bus besteigst. Nein, es war einfach ein freundliches, hilfsbereites Lächeln und ein "There you go, dear. Take a seat" als er mir mein Ticket wieder gibt.

Der erste Tag, Montag, war gleich sehr voll gestopft. Aber das ist auch gut so. Morgens, wenn ich mich um halb neun auf den Weg zur Uni mache, kann man jetzt wieder regelrechte Völkerwanderungen beobachten. Murano, das Studentenheim, in dem ich lebe, ist so groß, dass schier endlose Mengen an jungen Studenten jeden Morgen ihren Weg zur Uni machen. Allerdings, wenn sich dieses Semester genauso entwickelt wie das letzte, dann wird dieses verstörende Phänomen nur noch ein, zwei, höchstens drei Wochen anhalten, bevor sich die Situation wieder deutlich entspannt und nicht nur die Fußgängerwege, sondern auch die Vorlesungssäle sich wieder bedeutend leeren während die guten Vorsätze für das neue Jahr, oder in diesem Fall das neue Semester, langsam in Vergessenheit geraten.

Währenddessen scheinen sich Biologie und Science Fundamentals zusammen getan zu haben in dem Vorhaben, dieses Semester so langweilig und zäh wie möglich zu gestalten. In SciFun dürfen wir uns mit Logarithmen rumschlagen, vorgetragen von einem ergrauten Prof, der anscheinend die gesamten Ferien durchgefeiert hat, zumindest nach dem Zustand seiner Stimme zu schließen, die bei jedem Wort zu schwinden scheint. Er tut mir fast leid, wie er da vorne angestrengt in sein Mikrofon reinröchelt. Biologie übertrifft das aber vielleicht noch. In Biologie machen wir nämliche gerade Chemie. Atome und ihre Eigenschaften und wie das die Eigenschaften von Wasser beeinflusst und alles Mögliche über den pH und so weiter. Na gut, also das Langweilige kommt jetzt, dann kann der Rest des Semesters ja nur interessanter werden.
Wenigstens Psychologie beginnt spannend. Es geht ums Denken, Probleme lösen und so weiter. Ich merke bei diesem Thema wie mir zum allerersten mal das Fach Theory of Knowledge, das ja am UWC unterrichten wird, hilft.

Die Wohnung übrigens, die ich vor meiner Abreise im Alleingang geputzt habe (weil meine lieben Mitbewohner alle einfach gefahren sind, ohne sich um sowas banales wie Aufräumen und Putzen zu kümmern), befand sich bei meiner Ankunft (und auch jetzt noch) in einem Zustand absoluter Unordnung. Der Boden im Flur sieht aus als hätte jemand jede Menge Popcorn verschüttet, der Boden in der Küche ist genauso dreckig und klebt dazu noch und neben dem Waschbecken türmen sich riesige Berge von dreckigem Geschirr. Was war passiert? Iona war schon letzten Donnerstag zurück gekommen und hat am Freitag gleich ne riesen Party geschmissen. Das ironische ist, dass sie sogar regelrecht Stolz auf sich zu sein scheint, da sie beteuert ich hätte mal sehen sollen wie dreckig die Wohnung am Samstag gewesen wäre und dass sie ja einen wirklichen guten Job beim wieder Ordnung schaffen geleistet hätte. Ich musste schon arg an mich halten, um nicht die Geduld zu verlieren. Stattdessen habe ich höflich gefragt, ob sie nicht bitte wenigstens überall staubsaugen könne und den Boden der Küche wischen. Die Antwort hat mich wirklich an ihr zweifeln lassen: "Ja, wir sollten am Wochenende mal eine große Putzaktion machen".
 
Ich hoffe ich kann mich bald wieder motivieren, einen neuen Post zu schreiben,
 
 
Eure
 
 
Lauri
 
 
P.S.
Es regnet. Jeden Tag. Was mir letztes Jahr noch so normal vorkam, erscheint mir jetzt, nach der doch relativ trockenen Zeit in Deutschland, geradezu klischeehaft. Man möchte dem Land gutmütig auf den Rücken klopfen und ihm versichern, dass man nie an seinem Können, alle schottischen Klischees zu erfüllen, gezweifelt hat.
 

Dienstag, 8. Oktober 2013

Das Unileben, das Wetter und ich

Ich stehe morgens auf und sehe: Regen.
Nein, ich übertreibe. Eigentlich regnet es hier gar nicht mal so viel. Zumindest in letzter Zeit nicht.
Das ist auch ganz gut so. Denn mein Weg von der Wohnung bis zur Uni ist zwischen 15 und 20 Minuten lang. Ein bisschen Nieselregen macht da nicht viel. Aber manchmal trommelt der Regen herunter als wollte er uns einstimmen auf das wahre Glasgow-Wetter, uns Zeigen wo der Hammer wirklich hängt. Dann komme ich in der Uni an, die durchweichten Socken in Aquarium-Schuhen. Der Rucksack so nass, dass die Ränder meiner Blöcke und Hefter nass werden. Die Jacke pitschnass von außen - und von innen. Der Regen erlaubt es nicht, sie offen zu lassen, aber es ist zu warm als dass es bei dem ständigen auf und ab hier in Glasgow nicht zu einem gewissen Grad an Schweißbildung käme. Die nasse Jeans klebt an den Oberschenkeln. Was gibt es unangenehmeres? In solchen Momenten wünschte ich, ich wäre in Costa Rica, wo ich die Aquarium-Schuhe gegen Flip-Flops und die Schwitze-Jacke gegen ein leichtes T-Shirt austauschen könnte.
Es ist nicht so als ob es schrecklich kalt wäre, muss ich fairer Weise sagen. Mir kommt es wohl nur so vor. Die verrückten Schotten gehen allerdings nur in Strickjacken und Pullis zur Uni (wenn es nicht regnet). Sie beschweren sich, dass es zu heiß wäre, wenn ich es gerade mal angenehm finde - mit Jacke.
Allein wenn man die kleinen Schulmädchen durch die Straßen laufen sieht. Mal ehrlich: In Deutschland bekämen die Eltern das Jugendamt auf den Hals gehetzt, wenn ihre Kinder Anfang Oktober in kurzen Röckchen und ohne Strumpfhose in die Schule kämen.
Aber hier ist alles ein wenig anders und es ist ok, bei gefühlten fünf Grad halbnackt rumzulaufen.

In jeder anderen Hinsicht habe ich mich jedoch eingewöhnt.
Die Professoren sind weites gehend sehr gut - bis auf ein, zwei. Es ist viel viel Arbeit. Aber die Arbeit fällt leichter als es in der Schule der Fall gewesen wäre. Ich will ja hier sein. Es war meine Entscheidung. Ich habe die Fächer gewählt. Also kann ich dafür auch arbeiten. Ich will sogar unbedingt dafür arbeiten. Ich fürchte bisweilen, ich mache mir selber zu viel Druck.

Ich ernähre mich übrigens überaus gesund. Zumindest das wird mir schon mal helfen. Ich koche alles mögliche und meistens zu viel, wodurch ich jede Menge Eingefrorenes habe und für ne ganze Weile ausgesorgt hab. Von Ratatouille über Hähnchencurry und Pilze in Sahnesoße bis hin zu simplen Spaghetti mit Tomatensoße kommt bei mir alles auf den Tisch. Einmal habe ich auch einfach einen Wirsing-Kopf gekauft und rumexperimentiert. Mit Sojasoße lässt sich auch so einiges anstellen. Ich bin sicher so einige meiner Experimente wären nicht für jeden genießbar, aber ich bin immer sehr zufrieden mit mir selbst.

Ich hab jetzt auch ein schottisches Konto. Das war vielleicht ein hin und her. Eigentlich wollte und brauchte ich gar kein Konto. Miete konnte ich laut Uni ja auch per Kreditkarte zahlen. Aber Pustekuchen! Hätte ich mit Kreditkarte zahlen wollen, hätte ich alles auf einmal zahlen müssen. Und das spätestens am 10. Oktober.
Per Bankeinzug in monatlichen Raten ging nur über ein britisches Konto.
Meine Anfrage, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, in monatlichen Raten von einem nicht-britischen Konto oder mit einer Kreditkarte zu zahlen, war ebenfalls erfolglos.
Also bin ich gleich zur Bank und hab mich erkundigt. Wartezeit, um mein Konto eröffnen zu können war eine Woche. Das war am ersten Oktober. Klar, dass ich da schon ein bisschen unruhig wurde. Noch dazu ich einen speziellen Brief von der Uni brauchte, um ein Konto eröffnen zu können. Den hatte ich beantragt, sollte zwei Werktage dauern. Aber mit all solchen Dingen scheine ich einfach kein Glück zu haben: Nach drei Tagen war der Brief noch nicht da. Nach fünf Tagen hab ich mich dann halb auf den Kopf gestellt und Druck gemacht bis ich meinen Brief schließlich sofort bekommen habe - einen Tag vor meinem Termin. Ein auf und ab ist das, so ein Stress... Aber jetzt ist alles aussortiert. Außerdem gefällt mir das ganz gut - In Zukunft überweise ich das Geld, was ich mir selbst zur Verfügung stellen will, einfach monatlich auf das Konto und dann wird es das erste mal sein, dass mein wundervoller Herr Papa mir nicht ständig über die Schulter schauen kann, was meine finanzielle Situation angeht. Juhu!

Apropos Stress: Am Wochenende werde ich den mal so richtig abbauen. Ich fahre nach Wales - European Reunion. Alle ehemaligen UWCCR Schüler, die sich momentan in Europa befinden und die Möglichkeit haben treffen sich dort für ein ganzes Wochenende. Ich brauche euch nicht sagen wie sehr ich mich darauf freue! (Übrigens war auch beim Erhalt meines Zugtickets dafür mal wieder mein allgemeines Pech mit im Spiel - habe ich wohl im Leben zu viel Glück gehabt und nun versucht das Schicksal verzweifelt mit allen Mitteln diesen Fehler wieder auszugleichen?)
Freitag gleich nach der letzten Vorlesung geht's los. Sonntag um Mitternacht komme ich wieder in Glasgow an.
Keine Sorge, ich arbeite diese Woche extra hart, damit ich bis Freitag alles fertig hab und nichts mit in die nächste Woche schleppe! Das würde mir eh das Genick brechen.

Ich habe so schon bisweilen leichte Sorge, ob ich das alles schaffe. In einer einstündigen Vorlesungen nehmen wir hier so viel durch wie in einer ganzen Woche am UWC. Und dabei kann man noch nicht mal ordentliche Notizen machen. Ich sitze den ganzen Nachmittag und Abend da und mache mir nochmal saubere Abschriften meiner Notizen, mit denen ich dann lernen kann.
Naja, es ist es wert.

Jetzt muss ich ins Bett, damit ich den morgigen Tag überstehe.

Man ließt sich!

Eure,

Laura

Samstag, 21. September 2013

8 Tage und kein Ende in Sicht

 
 
Heute bekommt ihr mal eine kleine Bilderflut, damit ich mir nicht wieder die Finger wund tippen muss. Die Quintessenz ist: Party, Party, Party. Das ist es nämlich worum es in der ersten Uni-Woche geht. Obwohl ich Donnerstag und Freitag auch schon meine ersten Vorlesungen hatte. Keine Sorge, weder haben meine Feiertätigkeiten meine Konzentrationsfähigkeit in diesen Vorlesungen beeinträchtigt, noch wurden meine Partynächte vom Unterricht eingeschränkt. Meine Professoren mag ich bisher übrigens sehr. Aber mehr zu meinen Fächern nächste Woche. Lasst uns nun lieber die kleine Bildershow beginnen:
 
 
 
 
Schwer zu erraten: Ich, nach einer wilden UV Paint Party - Snap, Crackle and Pop
Das Ganze hat in der Queen Margaret Studentenvereinigung statt gefunden (haben die besten Parties gehabt diese Woche - GUU Parties waren dagegen lasch, deswegen waren wir bis auf eine Nacht immer in QMU). Es war so voll, dass man bei jeder Tanzbewegung andere angerempelt hat und umgekehrt. Aber das hat dem Spaß keinen Abbruch getan. Und bei der ganzen Tanzerei wurde man von der Bühne aus mit UV-Farbe besprüht, die dann in dem Schwarzlicht geleuchtet hat. Ein par Mal haben sie auch kleine Flaschen mit Farbe in die Menge geworfen, sodass wir uns gegenseitig besprühen konnten.
 
 
 
 
Diese wundervollen Partybusse fahren diese Woche jede Nacht bis drei Uhr Morgens vom Campus bis zum Studentenwohnheim, kostenlos.
 
 
Voila, ich präsentiere: Ein Schild neben der Garderobe in der QM Studentenvereinigung:
 
 
Mein schottischer Flat-Mate und Freundin: Iona. (Und ich, tadaaa....)
 
 
Party in der QMU mit einem riiiiiichtig gutem DJ. Das Beste war, dass ich nach einiger Zeit ein par ältere Schüler getroffen hab, die das mitorganisiert haben und die ich schon ein par Tage vorher kennen gelernt hatte. Und die beiden haben Iona, Meg (auch schottisch) und mich dann auf die erhöhte Tribüne mitgenommen, wo die Party erst so richtig abging - da ist auch das Foto entstanden:
 
 
Iona, ich und Meg (von links nach rechts):
 
 
 
Tja, das sind ein par Eindrücke. Mehr und vermutlich dann auch mal ruhigere Nachrichten von mir nächste Woche!
 
Aufgedreht und voller Enthusiasmus,
 
Eure,
Laura

Montag, 16. September 2013

Ich hab kein Loch in meiner Tasche

Die dritte Party-Nacht hintereinander hat mich wohl schon etwas verwirrt, denn als ich heut morgen aufwachte, durfte ich feststellen, dass ich mit mehr Geld nach Hause gekommen war, als ich mitgenommen hatte... Und das obwohl ich sogar etwas Geld ausgegeben hatte... Das schrägste an der ganzen Sache war allerdings nicht, dass ich einfach nur mehr Geld hatte, sondern vor allem, dass ich neben ein par mehr Pfund  auch noch einen zehn Euro Schein in meiner Tasche gefunden hab.
Wie zum Teufel passiert denn sowas? Ich weiß, dass ich keine Euros mehr hatte (nur drei oder vier Euro, aber die hab ich auch nicht mitgenommen) und wer in Glasgow läuft mit Euros rum und denkt sich: Hm, die könnte ich eigentlich diesem willkürlich gewählten Mädchen zur Gute kommen lassen... und hey, um es besonders interessant zu machen, mach ich es ganz heimlich ohne dass sie es merkt!

Tja, aber ich will mich über die Sache natürlich nicht beschweren. Es spricht auch für die Feier. Diesmal hat das ganze in der anderen Studentenvereinigung der Uni Glasgow statt gefunden.
Und natürlich hab ich ein rotes Shirt getragen. Was denkt ihr nur alle von mir! Ich hatte sogar knallroten Lippenstift drauf, allerdings hat sich der schon bei dem der eigentlichen Party vorhergehenden Aktionen so ziemlich verflüchtigt.

Ich fühle mich als wäre ich schon Wochen hier, dabei fängt die eigentliche Fresher's week (Ersties Woche) erst heute an...
Für heut Abend hat eine der Studentenvereinigungen den anscheinend bekanntesten und beliebtesten Radio-DJ Schottlands engagiert - also das klingt auch vielversprechend.


Voll Stolz, dass ich es geschafft hab schon wieder zu schreiben, umarmt euch

Eure,
Laura

P.S.
Ich fürchte Frodo fehlt mir schon sehr. Ich höre des Öfteren ein Phantom-Hundejaulen von draußen, was in mir jedes mal den Impuls aufkommen lässt aufzuspringen und zumindest aus dem Fenster zu gucken, um sicher zu stellen, dass es dem Kleinen gut geht.

Samstag, 14. September 2013

Ich bin wieder da

                        
Lang ist es her, dass ich mich auf diesem Wege mitgeteilt habe und nun sitze ich hier und tippe vor mich hin – zum Glück gibt es jede Menge Wartezeiten an Flughäfen, sonst hätte ich die Zeit hierfür vermutlich wieder nicht gefunden. Da einige von euch vermutlich nicht die Zeit oder Geduld haben, sich zu viel durchzulesen, möchte ich darauf hinweisen, dass der nächste Absatz eine kurze Einleitung ist, die mit mir sehr vertrauten Menschen (meine Eltern, Schwester usw.) keine neuen Erkenntnisse liefern wird und daher übersprungen werden kann.

Ich habe diesen Blog also mutieren lassen, oder vielleicht sollte ich eher sagen ich habe ihn revolutioniert, und nun ist sein Inhalt nicht mehr nur mein (großartiger) zweijähriger Aufenthalt am UWC Costa Rica, sondern ein Fenster in mein tägliches Leben. Wozu? Weil mein tägliches Leben nicht zu Hause stattfindet, sondern es mich mal wieder in die Ferne verschlagen hat und ich nächste Woche mein vierjähriges Studium an der University of Glasgow anfange.

Und so beginnt endlich der Lebensabschnitt, den ich gerne als meine „glorreiche, lebenslang prägende Studienzeit“ bezeichnen möchte und das schon jetzt bevor ich auch nur einen Schritt in einen Hörsaal getan habe. Doch dass mein Bett drei Tage vor der Abreise zusammenbrach, auf den Sperrmüllfriedhof gebracht wurde und mich somit quasi weggestupst hat aus meinem so vertrauten Zimmer, scheint mir ein erstes positives Zeichen zu sein. Als hätte es sagen wollen: „So liebe Laura, es ist Zeit, verzieh dich endlich und leb dein Leben.“ Und wirklich: Für heimische Besuche reicht eine einfache Matratze auf einem Lattenrost doch völlig aus.

Auch der Flug nach Glasgow (über Amsterdam)  hat meine Hoffnungen steigen lassen. Nachdem ich gut ein Jahr lang nur mit den billigsten aller billigen Billigairlines geflogen bin, ist KLM ein echter Luxus. Kurz nach dem Start des nicht ganz eineinhalb stündigen Fluges wurden schon Snacks und Getränke verteilt. Weiches Vollkornbrot mit Rührei, kalt. Dem Rührei habe ich nicht ganz über den Weg getraut... wer weiß wann die Dinger zubereitet worden waren und aus was das „Rührei“ tatsächlich bestand. Natürlich habe ich mir die kostenlose Mahlzeit trotzdem nicht entgehen lassen, ist schließlich eines der Highlights des Fluges. Außerdem gab’s Getränke en masse dazu, schwarzen Kaffee und Wasser für mich. Und kaum hatten die lieben (und ich meine wirklich ungewöhnlich fröhlichen, höflichen) Stewardessen alle hungrigen und durstigen Passagiere bedient, mussten sie auch schon wieder durch die Reihen kommen, um den Müll einzusammeln und als das endlich vorbei war, erschien auf den kleinen Monitoren über den Sitzen die Info, dass wir in zwanzig Minuten landen würden und der Kapitän meldete sich, verabschiedete sich von uns und bedankte sich für den angenehmen Flug. Und da saß ich auf Sitz 12B, völlig perplex, weil für mich der Flug da doch erst so richtig angefangen hatte. Kaum hatte ich meine Überraschung über die Kürze der Reise überwunden, setzte die Maschine auch schon sanft auf der Landebahn auf und wir wurden gebeten auszusteigen.

Danach kam mir der vierstündige Aufenthalt am Flughafen in Amsterdam schon viel eher wie eine echte Reise vor und das obwohl ich nur auf einer Couch gesessen und den beschäftigten Flughafen Trubel über mich hab rieseln lassen. Genau in dieser Zeit ist es auch über mich gekommen, mit dem Schreiben für den neu erfundenen Blog zu beginnen. Die Kombination von völligem Schlafentzug (eine Stunde Schlaf in der Nacht davor), schwarzem Kaffee und dem allgemeinen wohligen Reisegefühl scheinen mein Gehirn einen verwirrend klaren und kreativen Zustand zu versetzen.

So saß ich zum Beispiel im Flugzeug und blickte hinunter auf die verschlafene Landschaft vor den Toren Amsterdams. Das Netz der traditionellen Grachten schuf ein gleichmäßiges Muster, das sich anzuschauen fast wie Meditation wurde. Dabei schweiften meine Gedanken allerdings ab und mir kam der Gedanke wie es wäre als ein Riese groß wie zwei Wolkenkratzer über diese kleinen Grünen Quadrate zu hüpfen. Von einem auf das andere. Bei jedem Sprung gibt die Fläche ein wenig unter den enormen Füßen nach und Wasser schwappt über den Rand des Grün. Das Ziel ist es, nicht vollkommen mit einer Fläche vom Wasser verschluckt zu werden und auch nicht beim Sprung hineinzufallen.

Das wäre sicher ein vorzüglicher Zeitvertreib.

Auch der Rest der Stadt hat in mir gleich Vertrauen geweckt. Natürlich habe ich nur einen flüchtigen Blick aus dem Flugzeugfensterchen auf die eher industriellen Teile  der Stadt bekommen, aber dennoch. Es herrschte eine gewisse gelassene Ordnung, die mich glücklich lächeln lies. Die Straßen, die in mein Blickfeld gerieten, zogen sich in anmutige Kurven durch Landschaft und Wohngebiete und trotz des tristen Wetters wirkte alles irgendwie fröhlich und entspannt.

Bei der Landung sind wir dann sogar so dicht über Häusern und Straßen geflogen, dass man mit etwas Können den Figuren unter uns doch tatsächlich auf den Kopf spucken und treffen hätte können.

Und so war ich immerhin schon mal in Amsterdam. Nicht mehr lang, nicht mehr weit und die „glorreiche und lebenslang prägende Studienzeit“ hat mich.

Der Flug nach Glasgow war ebenso unspektakulär, aber angenehm und am Flughafen wartete schon ein „Empfangskomitee“ für alle internationalen Schüler und ein beharrlicher Nieselregen, der einen schleichend durchweicht. Im großen Reisebus ging’s los zum Studentenheim. Glasgow an sich scheint seine schönen Seiten zu haben, aber bisher hab ich davon noch wenig zu Gesicht bekommen. Ich bin mal gespannt wie mein Eindruck wird, wenn ich die Stadt ein bisschen besser kenne.

Als wir endlich am Murano Street Student Village angekommen sind, wo ich wohne, wurde uns mitgeteilt, dass wir erst ab vier Uhr einchecken konnten, also noch zwei Stunden warten mussten. Also hab ich mich mit einem Inder und einem Bulgaren, die beide ziemlich schräg waren, aufgemacht den nächsten Tesco (Supermarkt) zu suchen. Dafür und um darin ein bisschen rumzubummeln haben wir gut 45 Minuten gebraucht. Und dann noch mal eineinhalb Stunden bis wir unsern Weg zurück wieder gefunden hatten… Und trotz dessen und des schnöden Wetters mit kuscheligen zehn Grad waren wir gut gelaunt als wir das Village wieder erreichten. Auch die eeeeeewig lange Schlange von ankommenden Schülern, die uns da erwartete, konnte uns nicht schocken – wir sind einfach reinmarschiert – schließlich hatten wir ja schon unsere Koffer da drin…

Von der Wohnung und meinem Zimmer selbst war ich erst einmal etwas ernüchtert. Es sah aus als hätte man ein altes Gefängnis umfunktioniert. Alle Türen sind Feuertüren und müssen immer geschlossen sein, was schon mal ein sehr ungeselliges Umfeld schafft… Aber als ich dann mein Zimmer schon etwas wohnlich gemacht hatte und meine erste Mitbewohnerin, Iona (Schottland), eintraf, änderte sich meine Meinung langsam. Und inzwischen bin ich super zufrieden damit.

Der Abend wurde noch wild, hier eine kleine Zusammenfassung:

Iona und ich sind in ein anderes Haus gegangen wo eine kleine Party geschmissen wurde. Mit einem Engländer bin ich dann durch einige Häuser und hab alle Leute, die wir angetroffen haben, animiert zu uns zu kommen und mit zu feiern. Dann sind wir alle zusammen zu einer Party in nem Club von der Queen Margaret Union aufgebrochen. Queen Margaret ist eine von mehreren Schülerverbänden der Uni Glasgow.

Schon lange hab ich nicht mehr so ausgiebig und vergnügt getanzt, gefeiert und Unsinn geredet wie in dieser Nacht. Allein der Fakt, dass Iona und ich die ewig lange Schlange vor dem Club einfach überspringen durften, weil wir mit einem unterwegs waren, der den Organisator kannte, war aufputschend. Die Stimmung war ohnehin schon den ganzen Abend großartig, aber danach konnte es natürlich nur noch besser werden.

Und als Iona und ich morgens wieder zurück gelaufen sind, bekam die Nacht noch ein kleines i-Tüpfelchen aufgesetzt als wir mitten in Glasgow einen Fuchs ganz entspannt die Straße überqueren und auf dem Gehweg um die Ecke verschwinden sahen.

Ich bin bereit für eine ganze Woche mit mehr davon. Heute Abend ist eine white t-shirt Party. Jeder bekommt ein weißes T-Shirt und da kann dann jeder drauf schreiben. Und morgen ist eine Ampel-Party – trage grün, wenn du Single bist, gelb, wenn du es mysteriös halten willst und rot, wenn du vergeben bist. Und so geht es die Woche dann weiter…

Gut, das reicht denke ich erstmal als Einstiegs-Post. Ich werde nicht immer so viel schreiben können, also gewöhnt euch nicht dran.

Bis bald,

Laura

Mittwoch, 4. Januar 2012

Jahrvideo 2010/2011

Entschuldigt die lange Stille.
Viel viel ist passiert, wie immer.
Ich werde bald einen Post machen, bei dem ich einfach nur Bilder der letzten Monate reinstelle, aber für jetzt:

http://www.youtube.com/watch?v=eexC2ruGEVU&feature=player_embedded

Das ist das Jahrvideo vom letztes Jahr, das komplette. Eine Stunde UWCCR.
Schaut es euch an, wenn ihr Zeit und Lust habt.

Mit warmen Gefühlen,

Eure

Lauri

Mittwoch, 16. November 2011

Humpelpumpel

Einen wunderschönen guten Tag,

die Exam-Woche ist vorrüber und obwohl ich trotzdem noch unmengen zu tun habe (ToK-Essay schreiben, Math-portfolio machen, Uni-Bewerbungen schreiben usw.), hat es sich doch ein bisschen beruhigt. Letzte Woche war aber auch einfach nur verrückt...

Es ist viel los hier, wie immer, wir haben angefangen eine Show für unsere Lehrer und alle, die sonst noch auf dem Campus arbeiten, zu planen, aber die wird erst nächstes Jahr statt finden. Dieses Jahr before Weihnachten werden wir aber für die Lehrer Wichteln. Das heißt jedem Lehrer werden in aller Heimlichkeit ein par Wichtel (Schüler) zugeordnet und dann hinterlassen wir ihnen Notizen und Süßigkeiten und dergleichen. Ich freu mich schon darauf.
Letzten Samstag war eine Open Mic-Night im Amphitheater (wörtlich: offenes Mikrofon-Nacht), das heißt jeder der wollte konnte auf die Bühne kommen und etwas darbieten (hauptsächlich Musik). Solche Abende sind immer schön, aber dieses Jahr sind sie noch schöner, weil jetzt auch immer mehr Lehrer zu diesen Veranstaltungen kommen und auch teilnehmen.

Oh, fast hätt' ich's vergessen: Am Samstag hab ich Basketball gespielt, was super viel Spaß gemacht hat, aber dabei hab ich mir den Knöchel verstaucht....
Jetzt ist er dick, grün/gelb/blau/schwarz und ich muss auf Krücken laufen, weil ich nicht auftreten kann ohne dass es arg weh tut. Klingt aber schlimmer als es ist - alle kümmern sich ganz lieb um mich und tragen mich umher, wenn ich zu müde werde von dem auf den Krücken laufen und ich werde mit Süßigkeiten gefüttert und so weiter. Blöd ist nur, dass ich jetzt nicht mehr morgens mit Hatty (UK) joggen kann, wie es unsere Gewohnheit war. Ich stehe aber trotzdem noch um 6 auf und wecke sie auf und humpel mit ihr zum Basketball-Feld und sie dreht ihre Runden und ich mache Übungen für mein rechtes Bein, damit es nicht zu sehr abbaut... Um mein linkes Bein und meine Arme brauche ich mir da keine Sorgen zu machen, denen gehts besser denn je.
Es war übrigens ziemlich cool: Ich wurde im Krankenwagen zum Krankenhaus gefahren und mit dem Rollstuhl hinein und ich hatte mein eigenes Bett und bekam eine Decke und weil es eine Privatklinik war, wurde ich schon nach wenigen Minuten geröngt und bekam eine Art Stützverband, Salbe und Tabletten... Und Mauricio, der Schulleiter, war da und hat mich hinterher in seinem weißen VW Tiguan, der noch ganz neu roch, nach Hause gefahren und er hat kurz angehalten und mir Schokolade gekauft - als Substitut für meine Mum. Das war also angenehm.
Der Lehrer on duty an dem Wochenende (an den Wochenenden haben die Lehrer immer abwechselnd Dienst und müssen hier sein, falls was passiert und für check-in) war übrigens Jeff, mein Bio-Lehrer. Falls ihr euch noch erinnert: Er hatte auch Dienst als ich mir den Finger vor ein par Wochen angeknackst hatte - wir haben rumgescherzt, dass das was mit ihm zu tun hat und ich mir nur deswegen immer weh tue...
Oh und: Im Krankenhaus wurde ich am Ende in einen Rollstuhl gesetzt und zu Jeff in den Wartebereich gesetzt und musste warten, weil Mauricio noch meine Medikamente kaufen und alles bezahlen musste und in der Zeit habe ich ausprobiert wie es ist mit einem Rollstuhl umher zu fahren. Am Anfang ist es erstaunlich kompliziert und nicht so einfach wie es aussieht, aber man hat den Bogen schnell raus und dann bin ich duch den Gang gesaust und hab Piruetten gedreht, das war ein Spaß... Ich konnte sogar rückwärts einparken mit meinem Rollstuhl...

Also ich halte euch auf dem Laufenden.

Eure

Lauri

Samstag, 5. November 2011

Time's Arrow

Ich dachte mir, ihr würdet vielleicht mal sehen wollen, wie bei uns Hausaufgaben unter anderem aussehen können.

Dies ist eine 6 Minütige Zusammenfassung eines Buches namens Time's Arrow von Martin Amis. Wer von euch Zeit und Lust hat: Ich kann euch nur empfehlen es zu lesen. Es geht dabei um einen Doctor, der in Auschwitz gearbeitet hat. Hört sich nach einem alten und schon viel zu oft behandeltem Thema an, nicht wahr? Aber dieses Buch ist anders: Alles ist rückwärts, es ist ein literarisches Meisterwerk, meiner Meinung nach. Martin Amis hat jedes kleine Detail genau bedacht und berücksichtigt.
Viel Spaß bei Guillermos, Marias und meiner kleinen Kurzversion des Buches.





Alles Liebe

Eure

Lauri

Dienstag, 1. November 2011

Das ist Glück

Good evening,

als ich eben im Dunkeln von der Cafeteria über den Weg am Amphitheater vorbei ging, alleine, meine UWCCR-Tasche über der Schulter und den Kopf voller neuer Ideen, konnte ich nicht anders als vor Glück lachen.
Hab ich irgendwem von euch erzählt, das letzte Jahr hier wäre super gewesen? Well, es war jedenfalls nichts im Vergleich zu diesem Jahr. Alles scheint so viel schöner, flüssiger und intensiver zu sein. Die Lehrer sind besser und näher zu den Schülern, die community-meetings machen richtig viel Spaß, weil wir Schüler sie jetzt selber organisieren, wir haben deutlich mehr Aktivitäten auf dem Campus und Initiativen, die Schülervertretung ist super-effizient und spannend, first- und second-years bilden eine viel engere und freundlichere Gemeinschaft... ich könnte die Liste noch fortführen, aber ich denke, ihr versteht was ich meine.

In den letzten Wochen ist natürlich wieder jede Menge passiert.
Ich bin mit den First-years zu deren First-year camp gefahren, dieses Mal als Leader natürlich - und es war großartig.
Wir hatten Oktoberferien, in denen ich an den Strand gefahren bin (Manuel Antonio) und auf dem Strand gezeltet habe. Allerdings habe ich dabei nicht bedacht, dass es Regenzeit ist... Wir mussten das Zelt im strömenden Regen aufstellen und dachten Nachts, wir würden das Ganze nicht überleben.... Der Regen war so extrem, dass der Sand ihn nicht mehr aufsaugen konnte und das Resultat war, dass das Zelt voll Wasser war und wir praktisch im Wasser geschlafen haben. Wir waren relativ dicht beim Wasser, um eventuell entstehenden Schlammrutschen zu entgehen, jedoch waren wir nicht sicher, wie hoch das Wasser in der Nacht steigen würde... Aber trotz allem habe ich es sehr genossen zur Musik des Meeres einzuschlafen und am nächsten Morgen den Sonnenaufgang von einem riesigen Felsen, halb im Ozean, bewundern zu können, Pelikane fischen zu sehen, Kokosnüsse zu sammeln und zu trinken und einfach schwimmen zu gehen...
Wir haben am Abend dann den Bus zurück nach San José verpasst und sind kurzerhand in einem billigen Motel abgestiegen - das war wie in einem Film, ziemlich spannend...

Seit letztem Mittwoch arbeite ich fast nur noch - neben all den Aktivitäten, die wir hier immer haben. Ich habe mein World-Literature Essay (in Deutsch) fertig geschrieben ("Über das Thema Arbeit in Alice Walkers Die Farbe Lila und Nikos Kasantzakis' Alexis Sorbas") und mein Extended Essay ("In what way does Star Wars Episode I The Phantom Menace written by George Lucas present racial and ethnic relations?"). Ich habe mein ToK-Essay angefangen und zusätzlich noch Tests und Examen gemeistert...
Und wisst ihr was? Die ganze Arbeit hat mich kaum gestört, sondern sogar Spaß gemacht.

Was hat dieser Ort nur an sich, dass ich nach einem Tag wie heute, an dem ich erst einen vollen Schultag habe (Spanisch, English, ToK) und dann von um 2 bis um 3 Uhr 30 CAS, von 3 Uhr 20 bis um 4 Uhr 30 Community Meeting, von um 5 bis um 6 Schülervertretung und weiß, dass ich danach mit Guillermo und Maria an unserem Englisch-Projekt arbeiten muss und zwei Essays als Hausaufgabe schreiben, danach von um 8 bis um frühestens 10 hab ich Musical-Proben und zu alle dem kränkele ich noch leicht vor mich hin, was hat dieser Ort an sich, dass ich mich trotzdem so voller Energie und enthusiastisch und voller Liebe für diese Schule und meine Mitschüler fühle?!

Ich bin höchst glücklich.

Eure

Lauri

Montag, 3. Oktober 2011

Wissen in 4 1/2

Viel ist passiert seit ich das letzte Mal die Zeit und Muse fand, diese Seite zu öffnen, um einen neuen Post zu schreiben.
Aber jetzt ist es soweit und ich habe Vieles zu erzählen. Ich werde mich auf die für euch wohl interessantesten Dinge beschränken.

1. Ihr habt nach den neuen Lehrern gefragt. Ich habe zwar nicht alle von den neuen Lehrern, denn davon gibt es viele, aber die, die ich habe, sind super genial gut.

-->Der neue English-Lehrer, Matthew, ist sehr e
ngagiert und klug, britisch, jung (das sind sie alle) und einfach ein guter Lehrer.
--> Der neue Bio-Lehrer ist suuuper interessant und weiß wirklich wovon er spricht. Er schafft es doch tatsächlich Bio interessant zu machen. Wir gehen häufig raus ausm Klassenraum und wandern aufm Campus rum und er erklärt uns alles was wir gerade lernen an den Beispielen auf dem Campus (wir behandeln gerade Pflanzen). Er hat auch unmengen Pflanzen in den Klassenraum geholt, um sie uns dort zeigen zu können. Und wenn wir durch die Gegend laufen und uns Pflanzen anschauen, ist es fast immer garantiert, dass er zwischendurch stoppt, w
eil er etwas entdeckt hat (eine Art Schmetterlin, eine andere Pflanze etc.) und dann beginnt uns völlig fasziniert davon zu erzählen.
Einmal haben wir in der 5-Minuten Pause einen Falt
er an der Wand außerhalbs des Klassenraums entdeckt und ihn darauf aufmerksam gemacht und er war total fasziniert und konnte uns sofort sagen welcher Gattung das Tier angehörte. Er hat ihn runtergeholt, um ihn dazu zu bringen an einem geeigneteren Ort zu ruhen. Es war nämlich eine Art Motte, die aber riesengroß war und an der Wand sehr offensichtlich war, aber sobald sie im Gras unter einer Bank saß, hätte ich schwören können, sie wäre ein verschrumpeltes Blatt, selbst als ich dicht ran ging. Das und der Umstand, das sie völlig bewegungslos blieb selbst bei wiederholter Berührung, sind die Tarnungsmechanismen dieser Motte.
--> Andrew, der neue ToK-Lehrer ist ein schwierigeres Topic. Er unterrichtet auch Psychologie, ein Fach, das dieses Jahr zum ersten Mal bei uns angeboten wird. Er ist also auch ein wahnsinnig interessanter Mensch, allerdings würde ich sagen, dass man ihm seine langen Jahre im Dienste der US-army anmer
kt... Aber ich glaube, er ist trotzdem ein hervorragender Lehrer. Ein gutes Beispiel, warum er so interessant ist, ist, dass sein Vater während der Kubakriese von 1962 (an die sich sicher einige von euch noch gut erinnern werden) gedient hat und in Florida stationiert war, eben genau aus diesem Grund. Das allein wäre schon super spannend, aber da wir gerade auch noch Fidel Castro in Geschichte behandeln, ist es doppelt so interessant.

So viel zu den neuen Lehrern. Von den restlichen neuen Lehrern kenn ich wirklich nur noch zwei, weil ich einen CAS mit ihnen habe - dazu mehr in meinem nächsten Punkt.

2. Die CASs.
Ich bin hochzufrieden mit meinen CASes dieses Jahr.
-->Mein kreativer CAS ist das Musical, was gut ist, weil ich daran ohnehin ständig werde arbeiten müssen. Bisher habe ich schon unzählige Stunden daran gesessen, alles zu planen und einen Proben-Plan bis Dezember zu erstellen. Wir 5, die das Musical dieses Jahr leiten, haben uns für "König der Löwen" entschieden. Allerdings mixen wir es mit der zweiten großen Show, die jed
es Jahr statt findet, den "Danzas del Mundo" (Tänze der Welt - ist genau was der Titel verspricht). Das kommt daher, dass uns gesagt wurde, dass dieses Jahr nur eins von beidem statt finden wird und weil beides wichtig für uns Schüler ist, werden wir die Tänze aus aller Welt eben in das Musical integrieren. Wir haben ne Menge wirklich geniale Ideen dazu, aber darüber werde ich euch mehr zu einem späteren Zeitpunkt berichten.
Wie dem auch sei, letzte Woche haben wir gute 6 Stunden mit dem Vorsprechen/-singen verbracht. Wir haben alle, die sich in die Liste eingetragen haben, in Gruppen unterteilt und eine Szene spielen lassen und jeden einzeln ein Lied vorsingen lassen. Das war ein(e) anstrengender, aber auch lustiger Nachmittag/Abend/Nacht. Das war Dienstag - zwisch
endurch hatten wir übrigens auch noch jede Menge andere Meetings... Als Resultat waren wir erst Nachts um 10 mit allen Gruppen fertig. Mittwoch haben wir gute 4 Stunden damit verbracht, die Besetzung auszusuchen. Es hat sich aber gelohnt. Ich bin mir sicher, dass das Musical ein genialer Erfolg werden wird.
--> Mein Service-CAS ist der kleine Laden, den wir Schüler auf dem Campus haben und in dem wir Süßigkeiten und Getränke verkaufen. Dieser CAS besteht darin, zwei Stunden pro Woche dort zu sitzen und Dinge zu verkaufen - er hat allerdings noch nicht angefangen.
--> Mein Action-CAS ist nochmal sehr aufregend. Ich bin wirklich froh, dass ich eine von den 12 Glücklichen bin, die in dies
en CAS gekommen ist (über 40 wollten rein): Klettern. Ja, richtig Klettern. Bisher gehen wir zu einer Halle - jeden Montag 3 Stunden lang. Aber im Laufe des Jahres wollen wir auch mal draußen klettern gehen. Es ist genial: Hervorragendes Training für meinen Oberkörper, meine Arme, meine Bauchmuskeln und auch die Beine.

3. Meine Fake-Birthday-Party
Das war einfach geeeenial.
Aaaalso, lasst mich die Geschichte von Anfang an erzählen:
Es war einmal vor langer Zeit... Nein, Scherz. Also, ihr wisst vielleicht, dass auf Facebook, wenn man es zulässt, der G
eburtstag angezeigt wird. Das ist bei mir der Fall. Allerdings, aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen, hat sich das Datum geändert, sodass es der als der 26. September angezeigt wurde. Vielleicht wisst ihr auch, dass es bei uns Tradition ist, Geburtstage am Abend vorher, entweder um Mitternacht oder zwischen 10 und 11 zu feiern - auf verschiedene Arten. Manchmal wird man mit Kuchen und allerlei Überraschungen beglückt, manchmal mit Wasser oder deutlich ekligeren Dingen beschüttet und DANACH mit Kuchen und allerlei Überraschungen beglückt. Jedenfalls, hatten mich schon ne Menge Leute den ganzen tag über angesprochen, ob am nächsten Tag wirklich mein Geburtstag sei und ich musste es immer wieder abstreiten. Am Abend (um 10) saß ich dann gemütlich auf meinem Bett und lernte vorbildlicher Weise meine Spanisch-Vokabeln, als plötzlich Maria (second-year, Österreich) und Fabian (first-year, GB) hereinkamen und mir ganz aufgeregt erzählten, dass Viljami (first-year, Finnland) einen super guten Kuchen gebacken hätte, den ich unbedingt probieren müsse. Okay, an diesem Punkt hab ich mich gewundert, aber eigentlich hätte ich sofort Bescheid wissen müssen. First of all: Maria und Fabian sind beide sehr gute Freunde von mir, ja, aber zusammen würde sie NIE an meine Tür klopfen. Und zweitens, Viljami ist zwar bekannt dafür, viel zu backen, aber wieso sollte er so einen genialen Kuchen backen, um ihn dann an alle Leute zu verfüttern? Und warum sollten die zwei Schlaumeier unbedingt mich von diesem Kuchen probieren lassen?? Es ergab also alles nicht so wirklich Sinn, aber da auf diesem Campus wirklich literally alles möglich ist, haben die Alarmglocken in meinem sonst so hervorragend ToK-geschulten Kopf nicht geschrillt, sondern nur leise vibriert. Ich habe also meine Spanisch-Vokabeln geschnappt und bin den Zweien hinaus gefolgt. Ich hab nochmal nachgefragt, ob ich auch wirklich richtig gehört hatte, dass Viljami einen Kuchen gebacken hatte und beide bejahten es heftig und sponnen ihre kleine Geschichte weiter. Viljami war noch aus einem zweiten Grund eine wirklich hervorragende Wahl für diesen Plan, denn er wohnt in Montezuma, der Residence schräg gegenüber von meiner. Wenn ich dorthin will, ist es am schnellsten für mich, über die große Grasfläche in der Mitte der Residencen zu gehen. Das haben wir auch gemacht - in der Mitte war Aura (second-year, Finnland), die von Weitem rief, dass wir uns beeilen sollte, weil es zwar unmengen seien und sie viele Leute bräuchten, um es alles aufzuessen, aber es sicher bald alles weg sei.
Also haben wir uns beeilt und - weiß der Geier wie -

Maria und Fabian haben es geschafft mich vorweg laufen zu lassen in einem genügend großen Abstand um....
Als ich in der Mitte der Wiese war, völlig aus dem Nichts (es war ja dunkel), bekam ich einen riesen Eimer Wasser über den Kopf geschüttet. Erst wusste ich nicht wie mir geschah, dann hörte ich den Gesang: "Happy Birthday to you" Klatsch, Klatsch, Klatsch...
Meine ersten Worte? "This is brilliant. My Spanish is wet!" Und dann habe ich Dominic (second-year, Bahamas), Maria (second-year, Schweiz) die beide auch involviert waren und alle anderen umarmt und sie haben mir erklärt wie es dazu kam. Aber vorher hab ich natürlich etwas warmes zum Anziehen bekommen, denn ich war wortwörtlich bis auf die Unterwäsche nass.
Die ganze Sache war also so gewesen: Aura hatte auf Facebook gesehen, dass Morgen mein Geburtstag sein sollte und war völlig geschockt zu den beiden Marias gegangen, von denen sie erwartete, dass sie das wüssten. Irgendwann dann bekamen auch Fabian und Dominik in die ganze Sache involviert. Sie waren sich jedenfalls alle nicht sicher und waren völlig aufgelöst, weil sie gar nichts für mich vorbereitet hatten. Aber weil sie sich eben nicht sicher waren, ob es wirklich mein Geburtstag am Nächsten Tag war und es ihnen allen komisch vorkam, haben sie schließlich zum sichersten Mittel gegriffen, um die Wahrheit zu erfahren: Sie sind zu meiner Residence-coordinatorin gegangen und haben sie gefragt. Maritza hat eine Liste mit unseren Geburtstagen (auf der mein richtiger Geburtstag auch steht), aber meine lieben Freunde haben auch dieser Liste nicht ganz vertraut und sind schließlich zur Administration gegangen und haben dort in meinem Reisepass nachgeschaut. Ja, so viel nehmen Freunde hier auf sich...
Als aber dann schließlich fest stand, dass es nicht mein Geburtstag war, haben sie beschlossen als "Strafe" und Scherz diese kleine "Fake-Birthday Party" zu organisieren.
So kam es, dass ich und meine Spanisch-Vokabeln uns völlig durchnässt in der Mitte der Residencen wiederfanden.

4. Last but not least: Die Schlammschlacht.

And now the super-awesome part by me,guess who? ;)
I'm suppossed to be watching a movie trailer about drugs for the sur americano semana but I'm writing laura's blog and marlene's laughing at my poor attempt and laura's laughing too, they're ..hmmm, I think the discussion we're having a rather(kinda..) interesting discussion about drugs<-please don't erase this! :)

Okay, das war Ori... Und weil er drum gebeten hat, lass ich den Part drinnen...

Also, jetzt zurück zu 4. Die Schlammschlacht.

Fabian (first-year, GB) hatte sich am Samstag ein Einrad gekauft und wollte nun damit rumfahren. Also sind wir zu einem Berg gewandert - ungefähr eine halbe Stunde von der Schule entfernt. Als wir den Campus verließen regnete es schon, als wir auf dem Berg ankamen fing es an zu gießen. Ich weiß nicht, ob ihr euch diesen Regen vorstellen könnt, wir haben so etwas gar nicht in Deutschland... Also waren wir schon mal pitschnass. Also, der Hügel war sehr sehr schlammig. Aber schlammig auf eine gute Art und Weise.
Fabian hat also eine Weile versucht runterzufahren, aber weil es so rutschig war, ist er immer auf halben Wege umgefallen. Also sind wir weiter hochgeklettert und haben (immer noch im strömenden Regen) ein Wettrennen die hälfte des Berges hinunter veranstaltet. Er ist auf dem Einrad gefahren und ich bin gelaufen.
Irgendwann hat er das Unicycle aufgegeben und wir haben angefangen zu versuchen, an der glitschigsten Stelle bergauf zu laufen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Dabei jedoch sind wir hingefallen und irgendwie ist das Ganze dann in eine kolossale Schlammschlacht ausgeartet. So eine geniale Schlammschlacht hatte ich noch nie... Es war als wären wir wieder Kinder. Und wir haben mit dem Schlamm Dinge gebaut - Burgen, die aber eher wie große Hügel aussahen.
Als wir schließlich beschlossen zurück zur Schule zu gehen, wurden wir auf der Straße ganz schön komisch angeguckt. Ich kanns aber auch niemandem verdenken: Zwei Jugendliche, die beide über und über mit Schlamm bedeckt sind, Schlamm in den Haaren, Schlamm im Gesicht, Schlamm üüüberall, noch dazu klitschnass sind und von denen einer auf einem Einrad umherfährt... Es muss schon ein komisches Bild gewesen sein.
Zurück auf dem Campus, haben wir gemerkt, dass wir die Zeit völlig vergessen hatten - wir hatten keine Ahnung wie lange wir schon weg gewesen waren. Das result: Wir hatten das Mittagessen verpasst.
Weil wir aber vor Hunger nach diesem aufregenden Tag fast umkamen, sind wir trotzdem in die Cafeteria gegangen. Als die Tias uns sahen, waren sie ganz erschrocken und haben uns erstmal Kaffee und heiße Milch gegeben und nach einer Weile, weil wir immer noch so bedröppelt dastanden, haben sie uns auch noch Kekse gegeben. Als wir diesen kleinen Not-Snack verputzt hatten, haben wir uns gegenseitig mit einem Gartenschlauch abgesprüht und dann, als das Gröbste weg war, unter eine heiße Dusche gehüpft. Um dem Ganzen einen schönen Abschluss zu verleihen, haben wir uns noch heiße Tomatensuppe gekocht und dann bin ich totmüde ins Bett gefallen.

Das sind also die Dinge, die hier so passieren. Das alles war übrigens letzte Woche. Seitdem ist schon wieder soooo viel passiert, aber ihr habt sicher genug zu tun, das alles hier jetzt erstmal zu lesen.

In Liebe

Eure

Lauri

P.S.
Anbei noch ein par Fotos von den letzten Tagen.



Mittwoch, 21. September 2011

Frieden

Einen frohen Weltfriedenstag! Happy Peace Day! Feliz Día de la Paz!

Wir feiern heute den Weltfriedenstag. Wir tanzen und wir laden ein und wünschen unseren Lieben zu Hause einen ebenso schönen Tag wie wir ihn haben!

Gestern saß ich im Geschichtsunterricht und der kleine, drollige Hund des Chemie-Lehrers kam herein. Paz ist sein Name (das ist Spanisch für Frieden - wie passend). Er bleibt neben Dave (mein Geschichtslehrer) stehen und sieht zu ihm hoch. Dave guckt runter: "What's up?"

Vor ein par Tagen kam ich zu meinem Raum zurück und über meinem Namen an der Tür hing ein kleiner gelber Zettel. Darauf stand geschrieben: "Un arco iris vive aquí. Te quiero Laura!" "Ein Regenbogen lebt hier. Ich hab dich lieb, Laura!" Später habe ich rausgefunden, dass Hatty aus GB mir den Zettel geschrieben hatte.

Wenn ich Abends in die Residence komme, um Maritza (meine neue Residence-Koordinatorin) bescheid zu sagen, dass ich da bin (check-in nennt sich das), umarmt sie mich und fragt mich wie es mir geht und wir scherzen darüber, dass wir immer müde sind.

Es kommt häufig vor, dass ich nachts um 10 Uhr Lust bekomme laufen zu gehen. Ich finde immer jemanden, der mir Gesellschaft leistet.

Wenn ich morgens aufwache, scheint die Sonne und begrüßt mich in dem neuen Tag. Und manchmal, wenn ich Glück habe, taucht sie alle in so goldenes Licht, dass ich nicht anders kann als auf dem Weg zur Cafeteria stehen zu bleiben und zu versuchen diese Schönheit mit den Augen aufzusaugen.

Es kommt häufig vor, dass man in der Schlange zum Mittagessen steht und vor einem steht Mauricio, der Schulleiter, und man beginnt ein Gespräch mit ihm und isst Mittag zusammen. In der Parade zum Tag der Unabhängigkeit Costa Ricas ist er rumgegangen und hat uns Getränke ausgeteilt.

Manchmal komme ich Nachts in die Residence und es spielt Musik und eine Gruppe von Leuten tanzt in der Mitte des Wohnbereiches und ich tanze einfach mit. Es ist egal, wie es aussieht.

Mein Englisch-Lehrer macht kleine Stunts im Unterricht.

Im Spanisch-Unterricht hat sich letzte Woche viel um die Schwester von Paula (meine Spanisch-Lehrerin) gedreht. Sie lag in den Wehen und das ist das erste Baby in der Familie seit 17 Jahren.

Ich bin glücklich und erfüllt. Ich liebe diesen Ort.

Eure

Lauri

Sonntag, 18. September 2011

Versprochen ist versprochen

Mein lieben Leser/innen,

ich hab's euch versprochen und hier ist es: Ein Post nur für Bilder mit kurzen Beschreibungen.
Bitte einen Trommelwirbel für die ultimativen ersten Bilder des UWCCR-Schuljahres 2011/2012, das schon jetzt wunder-super-riesig schön und spannend und erfüllend ist.


Die ersten Bilder sind alle von dem super-tollen Roble-Alto Camp (das erste Camp, welches jedes Jahr in der zweiten Woche statt findet):
Beim Essen...

Aber die meisten Bilder von Roble Alto stammen von der None-talent-Show:

Alle Lehrer und sonstige Mitarbeiter, die mit uns zum Camp gefahren waren, haben zusammen einen Song gesungen und später noch einen Sketch performed.


Wir tanzen sehr viel hier im UWCCR...

Mein neuer Englisch-Lehrer Matt.

Amy und Evan aus den USA... Alles was da so schwarz geschrieben ist, sind die Worte des Liedes zu welchem sie dann getanzt haben. Also sie haben immer das Körperteil gezeigt, dessen Wort gerade im Lied vorkam - ziemlich cool...

So gegen Mitternacht dan hnabe ich meinen Lieblingswitz erzählt...

Das waren die Gesichtsausdrücke wähernd ich erzählte.

Das große Aufbrechen und belagern der Busse, um zurück zum Campus zu kommen.



Mein Buddy, Fionn aus Irland und ich.


Letzte Woche haben wir beschlossen, einen "Die Residence-Schön-Mach-Tag" zu haben, an welchem wir lauter Flamingos kleine und auch sehr große gebastelt und sie aufgehängt haben. Außerdem haben wir angefangen hinter unserer Residence einen Garten anzulegen. Und eine Gruppe hat für uns alle ein einmalig gutes Mittagessen als krönenden Abschluss gekocht.







So sehen unsere Freitagabend/-nacht-Beschäftigungen aus... (Keine Sorge: Maria, die dort hängt, war in einer Zirkusschule und weiß was sie tut)


Gestern Nacht ist mir die brilliante Idee gekommen, dass wir (Maggie, first-year aus Canada, Sophie, second year aus UK und ich)
doch mal mit verbundenen Augen den Weg vom Tor bis zum Mosaik (bei den Residencen) gehen sollten und dabei Fotos machen. Gesagt, getan und hier sind drei dabei entstandene Bilder. Übrigens: Für den gesamten Weg, für welchen wir normalerweise 5-10 Minuten bräuchten, benötigten wir 50 Minuten. Es kam uns aber viel weniger vor - eine einmalige Erfahrung:

Hier waren wir am Ziel.


Das sind also ein par Eindrücke meines Lebens hier, aber es ist nur ein Bruchteil von allem, was so vor sich geht...

Grüße

Eure

Lauri

Sonntag, 11. September 2011

Heile, heile Gänschen

Hey ihr Lieben,

ich melde mich seit langem mal wieder, allerdings nur kurz, da es anstrengend ist und lange dauert zu schreiben, weil mein linker Ringfinger bandagiert ist und ich ihn nicht bewegen darf...

Die Ärzte sagen, er ist nicht gebrochen, also ist es halb so schlimm wie es sich anhört. Es tut nur ziemlich weh. Und niemand scheint über den Grund überrascht zu sein: Ich bin gegen eine Wand gerannt... Ausversehen natürlich...

Jedenfalls ist es ziemlich frustrierend, weil das jetzt schon das zweite Mal in einer Woche ist, dass ich einen Arzt konsultieren musste und letztes Jahr bin ich darum komplett herum gekommen... Ich hatte wirklich gar nichts.
Achso, das erste Mal, welches ich erwähnte war grad mal zwei Tage her... Da bin ich gegen eine Couch gelaufen (das Leben hier ist abenteuerlich...) und hab mir dabei einen gut einen Zentimeter langen Splitter unter den Nagel meinen linken großen Zehes gerammt... Bevor ich das entdeckt hab, hab ich mich aber erst einen Tag lang gewundert warum es so weh tut. Jedenfalls war der Splitter so tief und so schmerzhaft, dass der Doctor mir drei Betäubungsspritzen in meinen Zeh geben musste, damit es nicht so weh tut, wenn er ihn rauszieht. Ich glaube die Spritzen haben bald mehr weh getan als der Sülitter selbst... (Eine zwischen den großen Zeh und den daneben, eine in die Seite des großen Zehes und eine (ich krieg immer noch Schauer wenn ich an diese zurückdenke) in die Kuppe meinen großen Zehes, direkt unter den Splitter... Aber dann war alles gut und ich hab den Zeh für den Rest des Tages nicht mehr gespürt, Ich konnte am Abend sogar tanzen gehen.

Ich komme mir vor wie eine alte Dame, dass ich euch nur von meinen ganzen Wehwehchen berichte... Aber mein nächster Post wird fast nur aus Bildern über die letzten Wochen bestehen, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte!

Bis dahin

Eure

Lauri

Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Freitag, 26. August 2011

Juhuuuu

Hello meine Lieben,

die Zeit vergeht mal wieder wie im Flug, ich kann nicht fassen, dass es schon Freitag ist. Ich hab schon wieder jede Menge blauer Flecken (weiß auch nicht woher ich die immer alle kriege), Aura aus Finnland hat suggeriert ich hätte ADHS, ich hab zusammen mit Mario, Maria (Österreich) und Maria (Schweiz) schon einen Song umgeschrieben und ein Video dazu gemacht, ich habe große Schritte in Fragen Studien- und Berufswahl gemacht, ich hab eine Ausbildung zum Camp-Leader (für das Camp nächste Woche) genossen und ich habe mit dem Rest meines Committes für das diesjährige Musical unsere Auswahl auf zwei Optionen reduziert, die wir uns Sonntag um 3 anschauen. Außerdem war ich noch mit meinen First-years aus Deutschland (Lena und Genia) und Mario essen und hab Zeit mit meinem Buddy, der aus Irland kommt verbracht. Heute muss ich noch mit meinem neuen EE-supervisor sprechen, um 3 hab ich ein Meeting für die Show, die wir second-years für unsere first-years organisieren (die steigt Morgen) und um 6 hab ich auch ein Meeting, aber ich weiß schon nicht mehr worum es dabei ging, ich lass mich einfach überraschen.
All das in so kurzer Zeit... Kaum zu glauben.
Es ist superschön so viel zu tun zu haben, auch wenn ich ständig müde bin. Am Mittwoch war ich so aufgeregt und dadurch überdreht, weil ja die firsties anfingen anzukommen, dass ich mich alle par Stunden hinlegen musste um die ganze verbrauchte Engergie wieder aufzutanken.

Jetzt muss ich auch wieder zu nem Meeting.

Love,

Eure

Lauri

Dienstag, 23. August 2011

In memory of Gustavo

Ich bin wieder zurück.

Ein neues Schuljahr, ein neues Design - ich hoffe es gefällt euch.

Ich bin seit gestern Morgen um ca. 8 Uhr 30 wieder auf dem Campus, aber in dieser Zeit ist schon so viel passiert, ich hatte schon so viele Meetings und schöne Erlebnisse, dass es mir vorkommt (und auch gestern Mittag schon vorkam) als sei ich schon seit Wochen wieder hier.
Es ist wirklich herrlich wieder hier zu sein und auch diese zwei Tage lang den ganzen Campus nur für sich zu haben (also nur wir second-years). Ab Morgen kommen wie first-years auch... Es gibt sooo viel zu tun, so viel zu erledigen, es ist überwältigend und wunderschön. Ich kann dieses Gefühl nicht in Worte fassen und wenn ich es könnte würde ich es nicht tun, aus Angst, dass ihr es nicht verstündet, da ihr ja noch nie in einem UWC wart und es nicht verstehen könnt. Ich wünschte ihr könntet es, es ist herrlich.

Allerdings musste ich auch eine traurige Nachricht hören als wir gestern um 9 das erste Meeting (von vielen) hatten.
Ich habe euch sicher schon mal von Gustavo erzählt. Er war letztes Jahr für das CAS-Büro zuständig, lebte auf dem Campus und war sehr aktiv in unsere Leben eingespannt. Er war jung, engagiert und lebenslustig, sehr unterstützend und hilfsbereit. Umso weniger kann ich verstehen, warum er sterben musste. Ja, Gustavo ist tot. Und er konnte nicht mal in Frieden gehen. Irgendwer hat beschlossen ihn, der nur 30 Jahre alt war, mit zwei Messerstichen in die Brust das Lebens zu berauben. Es mag sein, dass das distanziert klang, wenn dem so ist, wisset, dass es daher kommt, dass ich es einfach noch nicht begreifen kann. Noch vor 3 Monaten habe ich mit ihm gesprochen, ihn aus seinem Haus gleich neben meinem Zimmer kommen sehen und jetzt ist er einfach nicht mehr da.
Heute hatten wir eine Trauerfeier mit seiner Familie zusammen und haben einen Baum für ihn auf dem Campus gepflanzt, aber das alles schien mir sehr unwirklich.
Dies war meine erste Begegnung mit dem Tod eines nahen Menschens und ein weiteres Erlebnis auf diesem UWC, das mir viel gelehrt hat.

Im gleichen Meeting, in dem ich erfahren habe, dass Gustavo von uns gegangen ist, hat Mauricio, unser Schulleiter, uns verkündet, dass seine Freundin schwanger ist. Ist diese Welt nicht ein verrückter Ort?

Ich wünsche euch nur das Beste

Eure

Lauri

Freitag, 27. Mai 2011

Es war einmal...

Du meine Güte,

die letzten Wochen ist sooooo unglaublich viel erzählt, dass ich es nicht alles erzählen kann, aber es war super schön, wenn auch immer noch stressig... Wie es scheint, heißt hier Schulschluss nicht gleich Stressschluss.

Aber warum bin ich jetzt überhaupt in der Lage euch diesen Blog zu schreiben? Ich sollte nämlich jetzt eigentlich schon in meinem Flug nach Newark sitzen, um Morgen zu Hause zu sein...
Tja, das ist eine lange Geschichte...
Es war einmal an einem wunderschönen Freitag-Morgen um 4 Uhr, dass klein Laura sich mit vielen anderen Schülern in den Schulbus begeben hat (nach ungefähr 10 Stunden ohne Schlaf übrigens), um zusammen zum Flughafen zu fahren und nach Hause zu fliegen, in alle Himmelsrichtungen.
Doch, Schreck, im Bus fällt ihr etwas schreckliches auf: Sie hat ihre Visa-Karte bei einer Freundin in der Schule vergessen. Da es aber nicht viel gab, was sie da nun hätte tun können, beschloss sie, den Sommer eben ohne Kredit-Karte zu verbringen. Wozu bräuchte sie die in Deutschland denn ohnehin?
Aber dann, als sie summend ihres Weges zum Gepäckaufgeben und Ticket abholen schlendert, kam ein schreckliches Monster aus dem Gebüsch gesprungen. Das Monster hatte die Form eines ESTA. Eine Art Durchreisegenehmigung für die USA. Der nette kleine Herr hinter dem Schalter, versuchte bestimmt eine halbe Stunde das ESTA zu besiegen, welches stetig rief:"Passage not authorized" und sich heftig dagegen wehrte gebändigt zu werden. Aber ohne ESTA konnte die kleine Laura nicht durch die US reisen, und wenn es nur für 3 Stunden war.
Also beschloss der kleine Herr, zu einer mächtigeren Waffe zu greifen. Er hieß Laura mit ihm zu kommen und sie folgte ihm durch einen Gang in einen anderen Gang, welcher unglaublich schmal war und irgendwo blinkte ein Exit-Zeichen. Es ging um eine Kurve und dann durch eine andere Tür (eine von vielen), durch einen anderen engen, grauen Gang und um eine letzte Ecke und da waren sie angelangt.
Sie befanden sich in einem kleinen Raum, mit stein-zeit Computern, die tweilweise aussahen, als würde jemand gerade etwas programmieren. Die Tastaturen vielen almost auseinander und die Mäuse sahen beinahe aus wie wirkliche Mäuse. Die drehbaren Bürostühle mit den verschliessenen schwarzen Stoffbezügen schienen sogar noch älter zu sein und quietschten als sich klein Laura setzte. In der Ecke ratterte eine kleine Maschine, deren kleine Metallnadel stetig über ein fortlaufendes Blatt lief, sie schien jedoch nur leere Seiten zu produzieren. Laura hoffte auf Rettung vor dem ESTA, denn das war es ja wofür sie hergebracht worden war. Der Herr öffnete eine Internet-Seite, die INternetseite der ESTA. Schlagen wir den Feind mit seinen eigenen Waffen war das Motto dieser zweiten großen Schlacht. Der Herr verschwand allerdings und lies Laura alleine mit der Seite klar kommen. Es ging darum, das ESTA noch einmal neu zu beantragen. An diesem Punkt war Laura noch relativ zuversichtlich, sollte erwähnt werden. Aber dann kam es zu dem unvermeindlichen Punkt an dem ESTA zurück schlug. 14 Dollar sollte Laura zahlen. Allein in einem komischen Uhrzeit-Raum in den tiefsten Gedärmen des Flughafens saß Laura und ihr wurde klar, wie grässlich es war, die Visa-Karte zu vergessen.
Aber, wie im jedem guten Märchen, kämpft Laura natürlich nicht ganz alleine fürs Gute. Also läuft sie all den Weg wieder raus zu ihren kleinen Freunden, die immer noch entspannt rumstehen. Tatsächlich findet sich eine Heldin mit einer Visa-Karte und sie begleitete Laura zurück in den kleinen Raum. Alle Daten eingetippt, sollte es endlich zu einem Happy-End kommen, aber ach... Wie schrecklich, die Karte wurde nicht aktzeptiert. Also ging es wieder raus. Verzweifelt rief Laura um Hilfe und schließlich bekam sie diese von der Mutter eines second-years aus Mexico. Eine wirklich goldige Frau, die eine gute Stunde versuchte Laura zu helfen, das ESTA zu bekommen und ihr auch ihre Visa-Karte zur Verfügung stellte und, was das Beste war, als erstes Laura weit den Mund öffnen lies und ihr einen magischen Trank gab. Bachblütentropfen.
Frisch gestärkt fuhr Laura den Kampf gegen ESTA fort, aber nichts half. Also machten die zwei sich gemeinsam auf den Weg, um Hilfe zu finden, denn der kleine Mann war wie om Erdboden verschluckt. Glück im Unglück hatten sie, als sie auf eine hoch kompetente Dame trafen, die sich Laura's und ihres Schicksals für über eine Stunde annahm. Die Mutter-Heldin hatte übrigens Laura ihre Sache gebracht, als sie mit der neuen Helferin beschäftigt war, obwohl sie gerade davor erst auf eine Frage hin geantwortet hatte, dass sie nur noch 20 Minuten hätte, bis ihr Flug ginge. Dafür ist Laura ihr noch heute unendlich dankbar.
Jedenfalls rief irgendwann die Amerikanische Botschaft im Flughafen an, um über das Laura-ESTA Gefecht zu reden.
Nach viiiiielem und mehrstündigen hin und her, wurde Laura schließlich gesagt, sie müsse zur US-Botschaft gehen, um das Ganze zu klären.

Lasst mich so fortfahren:
Ich bin mit dem nächsten Bus zurück zur Schule gefahren und hab versucht irgendwen dazu zu bringen, mich zur Botschaft zu fahren, aber niemand wollte oder hatte Zeit. Also habe ich schließlich ein Taxi genommen. Als ich bei der Botschaft schließlich den richtigen Eingang gefunden hatte, wurde ich noch nicht einmal reingelassen, sondern nach einigem Warten kam eine Dame raus und meinte, es sei nichts zu machen, der einzige Weg, wie ich noch durch die US fliegen könne, wäre mit einem US-Visa... Also solle ich doch jetzt ein Visa beantragen, welches 150 Dollar kostet und wofür ich ein persönliches Interview mit irgendwem brauche, welches ich aber aller frühestens, wenn ich ganz doll dränge, nächsten Dienstag kriegen könne. Bis ich das Visa dann endlich wirklich hab und ich meinen neuen Flug buchen könnte (falls ich das Visa denn bekäme), hätte es dann natürlich noch einige Tage gedauert. Mit diesen Informationen bin ich nach Hause gefahren und angefangen zu arbeiten.
Irgendwann saß ich mit nem Telefonhörer in der Hand auf dem Boden der Administration, während Mario einen Meter weiter mit einem anderen stand und wir beide redeten auf irgendwelche Bürokraten ein. (Mario hat mir sehr viel geholfen bei allem)
Die deutsche Botschafterin, mit der wir telefonierten, meinte, sie würde generell nie jemandem raten durch die US zu fliegen, weil die es einfach mögen Macht zu haben und sie sinnlos zu benutzen...
Letztendlich lief es darauf hinaus, dass ich einen neuen Flug gebucht hab, der nicht über die US geht. Am Montag.

Es ist schon sehr komisch. Die ganzen letzten Tage war ich regelrecht traurig nach Hause zu gehen, weil ich gerne noch länger hier bleiben wollte. Aber als klar wurde, dass es tatsächlich überhaupt keine Möglichkeit mehr für mich gäbe, noch meinen Flug zu erwischen heute, hat mich mit einem Schlag so ein riesiges Heimweh gepackt, wie ich es schon ewig nicht mehr hatte. Interessant, anscheinend ist es einfacher nicht nach Hause zu wollen, wenn man tatsächlich weiß, dass man am nächsten Tag daheim ist, aber wenn es auf der Kippe steht, oder, wie bei mir jetzt, einfach mal ein par Tage nach hinten verschoben wird, wirds kritisch...

Ich freue mich auf zu Hause

Liebe Grüße

Eure

Lauri

Samstag, 7. Mai 2011

Harry Potter gleicher Exam-Stress

Hey,

also, nach einiger Zeit hab ich jetzt mal wieder die Zeit gefunden und mich aufraffen können, einen neuen Post zu schreiben.

Die letzte Woche war wohl die stressigste in meinem bisherigen Leben, fürchte ich. Die Examen haben am Montag angefangen. Ich hatte letzte Woche beide meine Geschichts-examen, beide Spanisch- und beide Bio-examen. Aber am Montag und Freitag hatte ich keine Examen, also die zwei Tage konnte ich zum lernen nutzen.
Lernen war sowieso das einzige (zumindest fühlte es sich so an) was ich vom letzten Freitag bis heute gemacht habe.
Lernen, lernen, lernen, Examen schreiben, lernen, Examen schreiben, lernen und so weiter.
Anfang der Woche hab ich bei Lieke (aus Holland, mein Lieblings-second-year) im Bett geschlafen, weil ich eine Lern-Gruppe mit einem ihrer Roommates, Anognya aus Indien, gegründet habe (und Sarah aus Bermuda ist auch in der Lerngruppe) und es einfach viel praktischer war, wenn ich dann gleich in ihrem Raum schlafe und wir zusammen Morgens um 6 aufstehen können, um zu lernen anzufangen.
Ja, ihr habt richtig gelesen, um 6.
Am Freitag zum Beispiel hatten wir ja rein theoretisch alle drei frei, weil wir da keine Examen hatten. Wir haben das genutzt, um um 7 aufzustehen und den ganzen Tag Mathe zu lernen (am Montag schreiben wir Mathe). Und wenn ich schreibe "den ganzen Tag", dann meine ich das wortwörtlich. Wir haben bis Abends spät in die Nacht kaum was anderes gemacht. Natürlich muss man immer kurze Pausen einschieben, damit man nicht "brain-dead" wird.
Einmal haben wir Abends um halb 11 nach einem Klassenraum gesucht, in dem wir lernen könnten (ist praktisch, weil man da an das white-board schreiben kann), allerdings konnte wir keinen unbelegten finden und alle study-rooms in den Residencen waren auch voll... Kaum zu glauben, wir 159 Schüler so intensiv lernen können...

Jedenfalls bin ich Mitte der Woche ziemlich krank geworden, was mir bei den Examen und beim Lernen natürlich nicht gerade hilft. Allerdings fürchte ich, dass der ganze Stress (tagelang lernen, dann Vormittags Examen schreiben und Nachmittags wieder bis spät in die Nacht lernen) mich gerade erst so schwach gemacht hat, dass ich überhaupt krank werden konnte. Weil das ganze Gelerne aber meine ganze Energie aufsaugt, muss ich wohl noch ne kleine Weile als ein heiserer, verschnupfter, rotäugiger Halb-zombie rumlaufen, dem der liebe roommate am Morgen mit den Worten begrüßt: "Oh, I'm so glad that you're still alive after last night!" (Deutsch: "Ich bin so froh, dass du noch lebst nach letzter Nacht!"), weil ich kaum schlafen konnte vor Husten und Niesen und mich rumwälzen.
Bitte erinnert mich, dass ich nächstes Schuljahr Taschentücher aus Deutschland mitbringe. Daran hatte ich gar nicht gedacht... Wann brauch ich die denn schon...

Gestern Abend (also Freitag bei mir (es ist hier noch Samstag)) hat Lieke dann irgendwann gemeint, es ginge jetzt zu weit, wenn ich schon nicht so ins Bett gehen würde und schliefe, müsse sie eben einen Disney-Filme-Abend mit mir machen, damit ich wenigstens im Bett liege anstatt zu lernen.
Also haben wir uns Popkorn gemacht und und Lautsprecher ausgeliehen und mit unmengen von Kissen und Decken einen richtig schönen Filme-Abend gemacht (Die Schöne und das Biest, Mulan und dann Herkules).

Achso: Vielleicht wird es einige von euch interessieren, wie meine bisherigen Examen gelaufen sind:
Bio war miserabel. Ich will das Ergebnis gar nicht wissen.
Geschichte, mein bestes Fach, war erschreckender Weise nicht so gut, wie ich gehofft hatte, aber lassen wir uns einfach mal überraschen.
Spanisch war mehr oder weniger in Ordnung. Im Paper 2 (das ist das, in dem man verschiedene Möglichkeiten bekommt, sich eine Aussucht und dann einen Text drüber schreibt) hab ich einen Tagebucheintrag geschrieben. Ich hab die Geschichte erfunden, dass ich auf nem Konzert von der coolsten Band auf der ganzen Welt war und dann plötzlich der Lead-Sänger die Bühne verlässt und keiner weiß wieso. Also spring ich auf, laufe auf die Bühne und fange an zu singen. Das zu schreiben, war ganz lustig und ich konnte mir gelegentliches Vor-mich-hin-Glucksen im Examen nicht verkeifen, aber gerade deswegen denke ich, dass es ganz gut gelaufen ist.
Die Ergebnisse werde ich aber erst übernächste Woche erfahren. Nächste Woche schreibe ich noch Mathe (grusel) und English (keine Ahnung wie ich das anstellen werde, weil ich nicht so wirklich weiß, was da auf mich zu kommt).

Achso, ich hab noch eine ganz Schreckliche Neuigkeit... Oke, für euch wird es wahrscheinlich weniger schrecklich sein als für mich:
Catalina (für alle, denen es enfallen ist, das ist meine Residence-coordinatorin) verlässt uns.
Ihr Freund, Graham, der hier unterrichtet hat, geht und sie hat schließlich beschlossen, mit ihm zu gehen.
Sie hat uns first-year Flamingo-girls alle zusammen geholt und es uns gesagt. Ich hätte fast angefangen zu weinen, hätte ich es nicht zurückgehalten. Cata, meine Zweit-Mutter geht einfach... Wie wird Flamingo wohl ohne sie sein?? Es war ein ganz schöner Schlag für uns alle. Aber gleichzeitg war es auch etwas, was uns sehr zusammen gebracht hat.
Wir first-years von Flamingo hatten nach der schlechten Nachricht spontan den ganzen Abend miteinander verbracht und super gute Pläne geschiedet für die kommenden Wochen und für nächstes Schuljahr, das, denke ich, einfach großartig werden wird. Ich werde euch über all dies auf dem Laufenden halten.

Übrigens fühl ich mich zur Zeit häufig ganz ganz komisch. Es ist vielleicht die schönste Zeit, die ich bisher hier am College hatte (ja, trotz des Stresses und der Krankheit), aber gleichzeitig wird mir auch sehr bewusst, dass es noch drei Wochen bis zur Graduation sind. Nur noch drei Wochen mit meinen geliebten Second-years. Nur noch drei winzige Wochen mit Cata als Residence-coordinator. Nur noch drei Wochen mit meinen beiden roommates, Sofia and Jandi. Nur noch drei Wochen als first-year auf dem Campus des UWCCR.

Genug nostalgisches Geschwafel, ich muss jetzt wirklich schlafen, morgen gehts früh raus, Überaschung: Lernen.

Eine Umarmung

Eure

Lauri